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Warum der eigene Garten wieder zum kleinen Wald wird

neuthema
Last updated: May 22, 2026 7:48 pm
neuthema Published May 22, 2026
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6 Min Read

In deutschen Vorgärten tut sich was. Wer sich heute umschaut, bemerkt einen deutlichen Wandel: Wo vor zehn Jahren noch monotone Schotterwüsten und penibel gestutzte Rasenflächen das Bild prägten, schießen jetzt immer öfter junge Bäume in die Höhe. Ein Trend, den sowohl Stadtplaner als auch Baumschulen quer durch das Land beobachten.

Contents
Was Gartenbesitzer heute wirklich suchenKlimawandel verändert die Baumwahl im PrivatgartenOnline bestellen, was früher nur die Baumschule vor Ort anbotEin Baum ist eine Entscheidung für Jahrzehnte

Es ist eine handfeste Entwicklung. Seit 2020 registrieren Branchenkenner eine sprunghaft angestiegene Nachfrage nach Gartenbäumen. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Zier- und Obstbäumen, die clever gewählt auch auf kleineren Grundstücken perfekt Platz finden. Die Menschen wollen eben keine leblos wirkenden Grünflächen mehr – gesucht werden Struktur, natürlicher Schatten und echter Lebensraum für Insekten.

Interessant ist dabei der Weg zum Baum: Der Kauf hat sich längst ins Netz verlagert. Plattformen wie Venovi.de erleben seit Jahren einen regelrechten Boom und liefern mittlerweile über 175.000 Bäume pro Jahr aus. Dieser digitale Zugang hat die Auswahl radikal verändert; plötzlich steht jedem Hobbygärtner eine riesige Sortenvielfalt offen, die es früher so kompakt gar nicht gab.

Was Gartenbesitzer heute wirklich suchen

„Vor fünf Jahren reichte den meisten Kunden noch ein einfach ‘schöner Baum’“, erinnert sich Gert Frentz, Kundenberater bei einer der größten Online-Baumschulen Europas mit Sitz in Ahaus. „Heute ist das anders. Die Leute kommen mit klaren, durchdachten Vorstellungen. Sie fragen gezielt nach der Bienenfreundlichkeit, dem jährlichen Zuwachs und vor allem danach, wie hitzeresistent eine Art ist.“ Die Prioritäten haben sich spürbar verschoben.

Ein passendes Beispiel dafür ist Sandra aus Düsseldorf. Sie hat im Frühjahr 2024 einen Amberbaum in ihren gerade einmal 80 Quadratmeter großen Reihenhausgarten gesetzt. „Ich habe wochenlang recherchiert“, erzählt sie lachend. „Ich wollte unbedingt diese feurige Herbstfärbung, aber das Ganze durfte den Garten nicht sprengen.“ Ihre Wahl fiel auf einen Liquidambar styraciflua, der sich inzwischen prächtig eingelebt hat und knapp drei Meter misst.

Solche maßgeschneiderten Gartenprojekte sind keine Seltenheit mehr. Bei Venovi.de etwa umfasst das Portfolio weit über 600 verschiedene Baumarten – das reicht von extrem schmalen Spalierbäumen für die Grundstücksgrenze bis hin zu charakterstarken, mehrstämmigen Gehölzen für parkähnliche Kulissen. Der Markt bedient heute eine Kundschaft, die ganz genau weiß, was sie will.

Klimawandel verändert die Baumwahl im Privatgarten

Spätestens der Sommer 2023 hat vielen die Augen geöffnet, als das Thermometer regional die 38-Grad-Marke knackte und der Regen wochenlang ausblieb. Für viele Gartenbesitzer war diese extreme Trockenheit ein echter Weckruf.

„Unsere alte Birke hat den dritten dürren Sommer in Folge einfach nicht mehr gepackt“, berichtet Thomas aus Leipzig. „Mein neuer Feldahorn dagegen steckt die Hitze locker weg.“ Vor dem Kauf hatte er sich intensiv online beraten lassen, um nicht noch einmal einen Baum zu verlieren.

Diese Erfahrung teilt auch Gert Frentz aus der Praxis: „Die Frage, ob ein Baum trockenheitsverträglich ist, dominiert inzwischen fast jedes Beratungsgespräch.“ Klassiker von früher weichen neuen Favoriten: Feldahorn, Hopfenbuche oder auch die Lederhülse stehen ganz oben auf den Wunschzetteln. Auf den 160 Hektar Anbaufläche des Familienbetriebs in Ahaus reagiert man darauf und kultiviert diese klimafesten Arten mittlerweile im großen Stil.

Online bestellen, was früher nur die Baumschule vor Ort anbot

Wenn man ein paar Jahre zurückdenkt, ist der aktuelle Ablauf fast skurril. Früher fuhr man Samstags zur lokalen Baumschule, guckte sich um und quetschte den Baum irgendwie in den Kofferraum. Heute klickt man sich gemütlich durch das Sortiment, wählt die Wunschgröße und bekommt den Baum direkt bis an die Grundstücksgrenze geliefert – bei großen Exemplaren oft sogar komplett frachtfrei.

Genau das gab für Petra aus Hamburg den Ausschlag. „Mitten in der Stadt und ohne Anhängerkupplung hat man sonst kaum eine Chance“, erklärt sie. „Als ich sah, dass ein ausgewachsener, vier Meter hoher Hochstamm direkt in meinen Garten geliefert wird, war die Sache geritzt.“ Ihr neuer Kirschbaum kam im Oktober 2023 an und saß noch am selben Wochenende in der Erde.

Zusätzliche Sicherheit bieten moderne Services wie Anwachsgarantien, die potenziellen Käufern die Angst vor dem Online-Kauf nehmen. Auch das Thema Nachhaltigkeit zieht: Moderne, unterirdische Bewässerungssysteme und ein extrem reduzierter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln überzeugen die umweltbewusste Generation von Gärtnern. Allein Venovi.de zieht auf diese Weise jährlich zehntausende Bäume auf, die ihren Weg nach ganz Deutschland, Österreich und Luxemburg finden.

Ein Baum ist eine Entscheidung für Jahrzehnte

Einen Baum zu pflanzen, ist kein Projekt für eine Saison. Während eine Eiche Jahrhunderte überdauern kann, erfreut ein Zierapfel seine Besitzer immerhin noch gute 40 bis 60 Jahre. Genau diese Langlebigkeit hebt den Baumkauf von fast allen anderen Anschaffungen rund ums Haus ab.

Entsprechend akribisch gehen die Menschen heute vor. Chats und Telefonberatungen der Online-Baumschulen laufen heiß. In Ahaus, wo man seit über 160 Jahren Erfahrung in der Pflanzenzucht besitzt, bedient man längst Kunden aus der gesamten Bundesrepublik.

Dass der Baumkauf im Internet so normal geworden ist, zeigt, wie tiefgreifend sich unser Bewusstsein für den eigenen Garten verändert hat. Zwischen 2020 und 2024 hat sich die Zahl der Anbieter mit eigenem Lieferservice schätzungsweise verdoppelt. Am Ende wird der private Garten damit genau zu dem, was er früher schon war: ein lebendiger Ort, an dem ein Baum einfach dazugehört.

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